16.11.2015

"Die Welt" und die Krawattenwelt

Was man nicht so alles findet, wenn man seinen eigenen Namen bei Google Alerts eingibt. Wenn man sich im Internet so aus dem Fenster hängt, wie ich, sollte man tatsächlich auch im Bilde bleiben, was über einen selber so im Netz unterwegs ist. Heute morgen stieß ich auf diese Weise auf einen kurzen Artikel in der Zeitung "Die Welt", bei dessen Lektüre ich doch schmunzeln musste - und mich natürlich auch geehrt fühle ob der Tatsache, dass ich da ausgiebig zitiert werde und der Autor ganz offensichtlich auch sämtliche meiner Beiträge zu der dortigen Thematik definitiv gut gelesen und erfasst hat. Es geht um: die Krawatte! Genauer gesagt um die "Verhandlungskrawatte".

Der Autor schließt mit den Worten:
"In einem der nächsten Beiträge des Bonner Anwalts erfahren wir hoffentlich, ob durch die Erfindung der Verhandlungskrawatte der Dresscode im Gericht ein für alle Mal geregelt ist."

Nun. Ich will es versuchen. Und ich fürchte, das Ergebnis wird ernüchternd sein. Ausgerechnet einen Juristen zu fragen, ob mit einer begrifflichen Bestimmung nunmehr alle Klarheiten beseitigt sind, ist aber auch ehrlich mutig.

Ich habe keine Verhandlungskrawatte. Ich kenne deren Wirkung nicht. Hat sie magische Kräfte? Falls ja, will ich eine haben! So eine Krawatte, die man auf den Tisch legt und der Verhandlungsgegner ist innerlich schon im Rückzugsgefecht unterwegs. Das würde so manche Verhandlung ehrlich erleichtern. Ist sie auch chic? Hoffentlich. Ansonsten hätte ich dann doch eher Probleme, sie mir um den Hals zu binden. So ein wenig eitel ist man ja dann doch.

Was aber jetzt, wenn der Gegner auch so eine Krawatte trägt? Dann hätte man am Verhandlungstisch ja prompt wieder Waffengleichheit hergestellt und die magische Wirkung des eigenen Binders verpufft.

Was, wenn jetzt mehrere auf der jeweiligen Seite sitzen und alle stellen fest, dass sämtliche Herren beim selben magischen Herrenausstatter einkaufen? Schnell kommen einem Szenarien aus den Zeiten des kalten Krieges in Erinnerung! Wird künftig vor Beginn von Verhandlungen um die Anzahl und die Art der Krawatten verhandelt? Ich sage nur: Gleichgewicht des Schreckens!

Und was ist eigentlich mit den Damen?

Die Werbewelt lässt uns Juristen dummerweise im Unklaren, um was für Verhandlungen es sich da eigentlich handelt oder ob sich hier auch spezialisierte Verhandlungskrawatten erstehen lassen. Wenn ich überlege, was für eine Unzahl an unterschiedlichen Verhandlungen alleine wir Juristen so führen können. Bietet die Werbewelt uns Vetragsverhandlungskrawatten, Sozialplanverhandlungskrawatten, Vergleichsverhandlungskrawatten, Gerichtsverhandlungskrawatten (da würde es farblich schon eng werden - ich verweise auf die Sache mit der weißen Krawatte), Beweisaufnahmeverhandlungskrawatten, Einigungsstellenverhandlungskrawatten, Mediationsverhandlungskrawatten, Betriebsvereinbarungsverhandlungskrawatten und und und an? Was sich da für ein Markt auftun würde! Aber bitte: magisch müssen sie sein! Und chic.

Ich persönlich reagiere ja auf einen Krawattenladen ähnlich, wie die durchschnittliche Frau auf ein Schuhgeschäft. Und im Augenblich ist es eher schwierig, wirklich schöne Krawatten zu finden. Sehr zu meinem Leidwesen.

Lieber Herr Frank Lorentz - ich fürchte, die Sache ist nicht ein für alle Mal geregelt. Sorry.

Anmerkung der dazugehörigen Ehefrau:
Mein Mann hat eine Seite seines Schrankes für Krawatten reserviert. Da hängen sie nun in fast allen Farben und Mustern - schick sind die meisten - aber er trägt trotzdem immer nur die selben. Wahrscheinlich, weil er selbst die Übersicht verloren hat. Als ab und zu genervter Ehepart, wenn der Mann mal wieder in der Krawattenabteilung der Kaufhäuser versumpft und Worte wie: "Schatz, Du hast wirklich schon genügend!" nicht fruchten, meine ich: Egal, welche Krawatte die Herren tragen: Hauptsache sie verurschat keinen Augenkrebs und ist ordentlich gebunden!

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