11.10.2014

Kündigungsschutz? Kölner Haie entlassen den gesamten Trainerstab!

Eine Nachricht, die auch mich als bekanntermaßen leidenschaftlicher Fan der Kölner Haie am 10.10.2014 wie ein Donnerschlag getroffen hat, war der Rauswurf der gesamten sportlichen Leitung einschließlich Trainer Uwe Krupp und dem sportlichen Geschäftsführer Lance Nethery durch den Verein.

Unter den Fans kochten die Emotionen hoch: die Facebookseite des KEC erfuhr einen ausgemachten Shitstorm erster Güte, beim abendlichen kleinen Derby gegen die Krefeld Pinguine (Endstand ärgerlicherweise 0:1 [0:0-0:1-0:0] und damit die fünfte Liganiederlage in Folge), Transparente wurden entrollt, aus denen der Dank an Uwe Krupp und der Unmut gegenüber den Gesellschaftern des Vereins mehr als deutlich hervorgingen und beim Einlauf der Mannschaft wurden die Nachnamen der Spieler jeweils durch lautes Rufen des Namen "Krupp" ersetzt.

Als zumindest offizieller Grund musste die bemerkenswerte Serie an Niederlagen des amtierenden Vizemeisters KEC zum Saisonstart herhalten und der Umstand, dass die Gesellschafter es wohl der sportlichen Leitung nicht mehr zutrauen, die Haie in dieser Saison endlich mal wieder zur Meisterschaft zu führen. Im Übrigen wurde man in den diversen Pressestatements nicht müde, die herausragende Leistung insbesondere Uwe Krupps in den letzten drei Jahren zu loben, unter dessen Führung der Verein immerhin 2013 und 2014 ins Finale der Play Offs einzog und zunächst gegen Berlin und dieses Jahr gegen Ingolstadt Vizemeister wurde. Im Übrigen brodelt natürlich die Gerüchteküche, der ich mich hier allerdings nicht anschließen werde.

Als Fan bin ich natürlich immer noch geschockt, als Arbeitsrechtler habe ich allerdings eine Nacht über die Geschichte geschlafen und stelle ich mir die Frage, ob die gerade erst Geschassten hier nicht eine Kündigungsschutzklage erheben könnten und wenn ja, ob die Aussicht auf Erfolg hätten.

Für den Augenblick ist Uwe Krupp  - wie die anderen auch - "nur" beurlaubt bzw. von der Verpflichtung zur Arbeitserbringung freigestellt. Die Kündigung wurde demnach  noch gar nicht ausgesprochen und im Hintergrund laufen wahrscheinlich die Verhandlungen bezüglich der Abfindungshöhe mit dem Ergebnis, dass man sich dann im gegenseitigen Einvernehmen trennen würde. Gegen einen solchen Aufhebungsvertrag könnte man dann nichts mehr machen. Hierzu sollte man allerdings auch wissen, dass eine einseitige Freistellung von der Arbeitsverpflichtung im laufenden Arbeitsverhältnis überhaupt nicht so ohne weiteres möglich ist, da der Arbeitnehmer auch einen Beschäftigungsanspruch hat, den der Arbeitgeber nicht einfach so vertraglich aushebeln kann. Insbesondere Krupp könnte sich also jetzt eigentlich schon fast zurücklehnen und sich auf seinem Vertrag bis 2017 ausruhen und bis zum Ende für Nichtstun bezahlen lassen. Diese Variante ist allerdings nicht anzunehmen, dass sie so laufen wird.

Denkbar wäre auch die Durchsetzung des Beschäftigungsanspruchs, der zweifelsohne gegeben ist. Auch das wäre im Bereich des Profisports eher ein Novum aber rechtlich durchaus denkbar.

Spielen wir hier doch einfach mal die Variante durch, dass es wider erwarten nicht zu einer Einigung käme und tatsächlich eine Kündigung ausgesprochen werden würde.

Hierfür müsste es sich bei dem entlassenen Führungskader zunächst einmal überhaupt um Arbeitnehmer handeln. Mit Ausnahme des sportlichen Geschäftsführers Lance Nethery wird man diese Frage relativ schnell mit JA beantworten können. Trainerstab und Mannschaft sind beim Verein angestellt, in den dortigen Betriebsablauf eingebunden, beziehen ein meist festes Gehalt und sind so auch wirtschaftlich vom Verein abhängig. Dass Profisportler und Trainer Arbeitnehmer sind, wurde schon mehrfach festgestellt. So wurde durch das OLG Karlsruhe einmal ein Schadenersatzanspruch unter Eishockeyspielern deswegen abgelehnt (Urteil vom 27.09.2012 - 4 U 256/11) und das Arbeitsgericht Aachen gab der Kündigungsschutzklage des dort seinerzeit entlassenen Trainers statt (Urteil vom 22.02.2013 - 6 Ca 3662/12).

Weitere Voraussetzung ist, dass das Kündigungsschutzgesetz überhaupt Anwendung findet. Das ist der Fall, wenn im Betrieb regelmäßig mehr als zehn Arbeitnehmer beschäftigt werden und der betroffene Arbeitnehmer länger als sechs Monate im Betrieb beschäftigt ist. Diese Voraussetzungen sind hier jedenfalls im Fall Uwe Krupp ebenfalls problemlos erfüllt. Die anderen Co-Trainer sind noch keine sechs Monate dabei, womit diese an dieser Stelle dann aus dem Spiel draußen wären.

Schlussendlich darf die Kündigung nicht durch Gründe, die in der Person oder im Verhalten des Klägers begründet sind oder durch betriebsbedingte Gründe sozial gerechtfertigt sein.

Betriebsbedingte Gründe können wir hier ebenfalls sofort ausschließen. Die sind nämlich nur dann gegeben, wenn die gegenständliche Tätigkeit als Solche wegfällt. Das lässt sich für den Trainer nur eher sehr schwer vorstellen, was im Fall des Trainerwechsels im Profisport zu einer unzulässigen Austauschkündigung führen würde.

Verhaltensbedingte Gründe sind jedenfalls nach den offiziellen Verlautbarungen eher auch nicht einschlägig. Im Gegenteil überschlagen sich die Offiziellen geradezu darin, die gedeihliche Zusammenarbeit mit Uwe Krupp in der Vergangenheit zu loben, womit sodann im Fall eines Prozesses ein entsprechender Vortrag aus Sicht des Arbeitgebers schwer werden dürfte. Und sollte er im Prozess dennoch kommen, so wird das ein gefundenes Fressen für die Presse werden.

Personenbedingte Gründe sind hier ebenfalls nicht ersichtlich. Zumindest sehe ich keine in der Person des Trainers liegenden Gründe, die eine Weiterbeschäftigung unmöglich machen würden.

Worüber man hier nachdenken könnte, wäre das, was im Profisport dann meistens der eigentlich einschlägige Grund für die Entlassung ist: es werden nicht mehr die Ergebnisse erzielt, die man sich eigentlich erhofft hatte. Damit wären wir mitten in der so genannten Low-Performance-Problematik drin und dieses Thema würde ich auf Arbeitgeberseite beileibe nicht anpacken wollen, weil man da nur untergehen kann.

Der Arbeitnehmer schuldet die Leistung, die er bei größtmöglicher Anstrengung zu leisten im Stande ist.

Also entweder will der Arbeitnehmer, kann aber nicht - dann wären wir in einer personenbedingten Kündigung und der Arbeitgeber müsste zunächst einmal sehen, was er unternehmen kann, um den Arbeitnehmer zu unterstützen, damit der die Leistung wieder bringen kann. Bei krankheitsbedingten gründen sind das solche Sachen, wie ein leidensgerechter Arbeitsplatz. da brauchen wir uns hier aber keine größeren Sorgen drum zu machen: Uwe Krupp erfreut sich meines Wissens bester Gesundheit.

Oder aber der Arbeitnehmer kann zwar, will aber nicht - dann wären wir in verhaltensbedingten Gründen, hier wohl noch am ehesten eine Leistungsverweigerung. Dies müsste allerdings gegebenenfalls zuvor mal abgemahnt werden. Abgesehen davon ist im Fall Uwe Krupp beileibe keine Leistungsverweigerung zu sehen.

Am Ende bleibt vielleicht noch das fehlende Vertrauen der Gesellschafter in die sportliche Leitung, insbesondere in Uwe Krupp, das angestrebte Ziel der der deutschen Meisterschaft 2015 auch zu erreichen. Damit wird der Arbeitgeber allerdings auch nichts werden. Der Arbeitnehmer schuldet eben nur eine Leistung und die auch bei größtmöglicher Kraftanstrengung. Nicht aber schuldet der Arbeitnehmer einen konkreten Erfolg.

Alles in allem kann man also durchaus davon ausgehen, dass Uwe Krupp mit einer (realistischerweise allerdings nicht zu erwartenden) Kündigungschutzklage gegen den KEC sogar Erfolg haben würde.



Edit: nach einigen - teilweise sehr unflätigen (da muss man durch, wenn man einen Blog betreibt) - Kommentaren hierzu an anderen Stellen habe ich ein paar redaktionelle Änderungen vorgenommen, die am ursprünglichen Inhalt aber nichts wesentliches geändert haben.

Kommentare:

  1. Fan hin oder her, Sympathieträger oder nicht, wir alle lieben Uwe Krupp, aber am Ende wird die Liebe zum Verein überwiegen - was auch gut ist, wir befinden uns im Profisport einer in Deutschland immer noch ansässigen"Randsportart", weit weg von Fussball (nur mal so). Und eines sollte gerade in Köln nicht vergessen werden, der jenige, der hier indirekt angeprangert wird, hat vor drei-vier Jahren den Verein gerettet, natürlich auch nicht uneigennützig, aber GERETTET, ich kann mich durchaus an meine Ängste in dieser Zeit erinnern ...... Ich denke nicht, das der Verein hier eine kopflose Aktion gestartet hat, dass diese Geld - und darum wird es letztlich nur gehen - kosten wird, wird jedem Verantwortlichen klar gewesen sein. Köln ist nicht das leichteste Pflaster und wer den FC kennt, weiss genau was ich meine, ich habe auch keine Ahnung woran das liegt, aber oft genug, wenn gegnerische Fangesänge ertönen ........ Karnevalsverein ...... haben alle Kölner ein lachendes wie weinendes Auge, klar su simmer un verlore heißt jo nit treckt ungerjon, ejal beim nächste mol wed dat schun widder und hier ist die Sportart vollkommen EGAL, weil das ist leider oder Gott sei dank KÖLLE!

    Anschließend meine Meinung zu dem Thema KEC im Moment, ich bin am Freitagabend seit langem nicht mehr als Verlierer aus der Halle gegangen - nur so ein Gefühl, was ich nicht erklären kann - es tut sich was und das gefällt mir sehr gut, weil war auch sehr nötig!!!

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  2. Du hast sie doch nicht mehr alle!
    Seit wann gehst du zu den Haien? Seit 2 Spieltagen?
    Trainer kommen und gehen, auch ein Uwe Krupp kocht nur mit Wasser!

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  3. Wie ich schon sagte: die Emotionen gehen hoch und das ist auch vollkommen ok und verständlich - auch hier.

    Zu der sportlichen Sinnhaftigkeit der ganzen Geschichte habe ich übrigens nichts gesagt, das nur mal am Rande. Und ein paar mehr, als 2 Spieltage sind es dann schon noch ... 3 oder 4 oder so ... ich hab nicht gezählt ;)

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