17.09.2014

Wenn Vorgesetzte beleidigt sind

Konstellationen, in denen ein Arbeitnehmer seinen Vorgesetzten beleidigt, gibt es immer wieder in schöner Regelmäßigkeit und in ebenso schöner Regelmäßigkeit führt das dann auch zur fristlosen Kündigung des Arbeitnehmers.

Umso erstaunlicher, dass diese Geschichten dann auch immer sofort durch die Gazetten jagen, als wäre das die absolute Sensation. Dabei ist da überhaupt nichts sensationelles dran. Es gibt eine ganz simple Binsenweisheit, die sich in der arbeitsgerichtlichen Rechtsprechung schon lange durchgesetzt hat:

Wer seinen Vorgesetzten beleidigt oder gar bedroht, fliegt!

Ich habe ja irgendwie den Verdacht, dass diese Geschichten nur deswegen so gerne in der Journaille abgedruckt werden, weil eben die Geschichte dahinter meist so skurril erscheint. Aber auch das ist in der Regel eigentlich nicht der Fall, sondern betrieblicher Alltag und jeder, der irgendwo arbeitet, weiß auch, wie anstrengend das ist. Die jüngste Geschichte kreist um eine saudämliche E-Mail an die Cheffin, die dann wegen sexueller Belästigung zur fristlosen Kündigung geführt hat, die vom Arbeitsgericht Regensburg dann wohl auch bestätigt wurde. So zumindest ist es einer Meldung bei n-tv zu entnehmen. Auch hier habe ich das Gefühl, dass der journalistische Mehrwert der Geschichte eher darin liegt, diesen reichlichst dämlichen Witz nochmal erzähle zu können. Ich werde ihn hier jetzt nicht auch noch wiederholen - wer ihn unbedingt lesen möchte, kann ja auf die verlinkte Meldung bei n-tv gehen.

Es gibt aber auch Fälle, in denen auch die Beleidigung des Vorgesetzten nicht zwangsläufig zur fristlosen Kündigung führen muss, sondern ausnahmsweise dann doch nochmal eine Abmahnung vorzuschalten ist. Nämlich dann, wenn der Vorgesetzte selber einen gehörigen Beitrag dazu geleistet hat, dass die Situation so dermaßen hochgekocht ist, dass die Beleidigungen fielen. So hat das LAG Rheinland-Pfalz (Urteil vom 24.07.20145 Sa 55/14) eine Kündigung für unwirksam erachtet, in welcher der Arbeitnehmer über seinen Vorgesetzten sagte, "Der ist irre, der dürfte nicht frei herumlaufen" oder "der ist nicht normal". Zudem bezeichnete er ihn als "Psycho". Zuvor hatte es allerdings ein intensives Streitgespräch zwischen den beiden gegeben, das seitens des Vorgesetzten mit einem gut gebrüllten "Raus hier!" endete. Die beiden taten sich also in Sachen schlechten Benehmens nicht allzu viel und so war nach Ansicht des LAG die Kündigung überzogen.

Nach Ansicht des Arbeitsgerichts Mönchengladbach (Urteil vom 07.11.2012 - 6 Ca 1749/12) reicht ein "Ich hau Dir vor die Fresse!" übrigens wiederum für eine fristlose Kündigung aus. 



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