22.09.2014

Mit Kind keine Anstellung

In einer aktuell durch das BAG entschiedenen Sache (Urteil vom 18.09.2014 - 8 AZR 753/13) hatte sich die Klägerin als Vollzeitkraft im Büro beworben und gab wahrheitsgemäß den Familienstand "verheiratet, ein Kind" an. Irgendwann kriegt sie die Bewerbungsunterlagen zurück und musste hierbei feststellen, dass im Lebenslauf  die Angabe zum vorhandenen Kind unterstrichen und der Vermerk "7 Jahre alt!" hinzugefügt wurde. Eingestellt wurde am Ende eine junge verheiratete Frau eingestellt zu haben, die über eine höhere Qualifikation verfügen soll.

Daraus zog die Bewerberin nunmehr den Schluss, dass der potentielle Arbeitgeber Vollzeittätigkeit und die Betreuung eines siebenjährigen Kindes nicht oder nur schlecht für vereinbar halte, sah sich wegen nicht zuletzt ihrer Eigenschaft als Mutter zu Unrecht benachteiligt und forderte eine Entschädigung wegen der mittelbaren Benachteiligung aufgrund ihres Geschlechtes. Hiermit bekam sie auch noch bis zur zweiten Instanz beim LAG Hamm (Urteil vom 06.06.2013 - 11 Sa 335/13) Recht. Hierzu hatte das LAG Hamm zwecks Untermauerung der Argumentation Statistiken herangezogen, die sich mit dem Anteil von Ehefrauen mit Kind an der Gesamtzahl der Vollbeschäftigten befassten.

Die Sache mit den Statistiken überzeugte das BAG nicht so übermäßig, da sie für den konkreten Fall eher nicht so aussagekräftig war. Daher hat das BAG die ganze Sache jetzt an das LAG Hamm zurückverwiesen und aufgetragen, man solle doch dort einmal genauer prüfen, ob nicht sogar eine unmittelbare Geschlechterbenachteiligung vorliegen könnte, da Mütter naturgemäß auch immer Frauen sind. Hierzu müsste man dann noch die diversen Vermerke des potentiellen Arbeitgebers genauer der Auslegung unterziehen.

Dass in der Ablehnung einer Bewerberin aufgrund der Tatsache, dass es sich um eine Mutter handelt, eine Benachteiligung wegen des Geschlechts liegen könnte, ist jetzt nicht weiter überraschend. Der hier beklagte potentielle Arbeitgeber wird höchst wahrscheinlich weiterhin ins Feld führen, er habe ja schließlich dafür eine andere Frau eingestellt und die sei auch verheiratet, was ja durchaus mit einem gewissen Risiko noch kommender Kinder behaftet ist. Jedenfalls ist der Fall noch nicht am Ende.

Nach meiner ganz persönlichen Beobachtung (und die ist wirklich ganz persönlich und nicht empirisch abgesichert) ist es aber so, dass man insbesondere als alleinerziehende Mutter erheblich mehr Probleme auf dem Arbeitsmarkt hat, als ohne Kind. Spätestens im Bewerbungsgespräch taucht dann immer die Frage auf, ob das Kind denn auch versorgt sei und wie das denn läuft, wenn das Kind mal krank wird. Da kann man noch so oft darlegen, dass das alles organisiert ist - es bringt meist nichts und schon gar nicht den ersehnten Job. Da hängt irgendwie die Vorstellung dahinter, dass alleinerziehende Mütter, die arbeiten wollen, ihre Kinder vernachlässigen. Deswegen sind die natürlich dann auch dauernd krank und die Mutter dann weg vom Arbeitsplatz. Erstaunlicherweise taucht diese Fragestellung bei der Bewerbung alleinerziehender Väter fast nie auf. Alleinerziehende Väter sind ja etwas ganz tolles und die haben das natürlich alles organisiert, ohne dass man sie das fragen muss. Also wir lernen: nach der Personalerlogik sind alleinerziehende Väter ganz einfach Superhelden und alleinerziehende Mütter eher unorganisiert und nicht einsetzbar.

Übrigens habe ich es umgekehrt aber schon sehr häufig erlebt, dass männliche Arbeitnehmer im Betrieb schräg angesehen werden, wenn sie die volle Elternzeit machen wollen und nicht selten führt das dann an anderen Stellen zu Problemen, die dann im Gericht enden. Bei Arbeitnehmerinnen, die in Elternzeit gehen, wird das eher als normal unterstellt und gibt es nicht so oft Probleme.

Da bleibt gesellschaftlich wohl doch noch einiges zu tun ...

Keine Kommentare:

Kommentar veröffentlichen