Es ist mal wieder, wie es immer ist:
Kaum treten die FlugbegleiterInnen in den Streik, ist das Geschrei groß, weil dieser Arbeitskampf vermeintlich von der Gewerkschaft UFO gnaden- und rücksichtslos auf dem Rücken der Passagiere ausgetragen wird.

Dass hier die Fluggäste in Mitleidenschaft gezogen werden, ist angesichts der Tätigkeit der Flugbegleiter absolut unabwendbar! Es wäre hier so etwas von unsinnig, wenn die den Frachtverkehr bestreiken würden! Ich habe noch nie davon gehört, dass es in einem Frachtflugzeug Stewardessen gibt! Es liegt bei bestimmten Berufsgruppen in der Natur der Sache, dass sich ein Arbeitskampf direkt oder indirekt auf eine breite Masse an Menschen auswirkt; beispielhaft seien hier Müllwerker, Lokführer oder eben auch die Stewardessen genannt. Wenn ein Stahlwerk oder eine Baustelle bestreikt wird, merken wir es eben nicht so sehr am eigenen Leibe (wenn es nicht gerade der eigene Hausbau ist, der deswegen nicht weitergeht).

Und Hilfe! Der Streik kostet die Lufthansa jeden Tag Millionen! Ja, kann sein! Darin besteht der Sinn eines Streiks: den Arbeitgeber so unter wirtschaftlichen Druck zu setzen, dass er sich wieder an den Verhandlungstisch setzt und sich auch einmal auf die Arbeitnehmerseite zu bewegt! das ist in diesem Arbeitskampf aber keineswegs der Fall! Die Tarifauseinandersetzung geht hier jetzt schon seit einem Jahr und die Lufthansa bewegt sich an den entscheidenden Stellen keinen Millimeter! Es geht hier nicht im Wesentlichen um die Frage einer Tariferhöhung – die wäre schon lange geklärt und kein Mensch würde streiken, die Forderung von UFO liegt bei 5 % und die Lufthansa hat schon lange 3,6 % geboten. Das ist ein Faktor, bei dem normalerweise jede große Tarifkommission den Tarifabschluss absegnet – selbst unter der Voraussetzung, dass (wie hier von der Arbeitgeberseite gefordert) dann im Monat zwei Stunden mehr gearbeitet wird. Aber es gibt ja wieder die oberschlauen Politiker von der CDU, die sofort losheulen, die FlugbegleiterInnen mögen doch nicht den Ast absägen, auf dem sie sitzen. Komisch; wenn es um Fragen geht, wie etwa den Mindestlohn, dann pochen die Vertreter aus genau dieser Partei furchtbar gerne auf die Tarifautonomie, in die sie sich nicht einmischen wollen – tritt eine Gruppe von Arbeitnehmern in den Streik, der auch noch so eine Öffentlichkeitswirkung hat, wie dieser (was gut ist!), dann mischen sie sich doch ein. Seid doch bitte einfach mal konsequent und haltet dann auch wirklich den Rand! 

Und wenn wir schon vom Ast und der Säge reden. Hat sich schon einmal jemand gefragt, was eigentlich die Lufthansa dazu treibt, die täglichen Millionenverluste hinzunehmen, statt sich mit UFO an den Verhandlungstisch zu setzen und über die wirklich wesentlichen Probleme zu reden? Warum schimpft da eigentlich niemand? Wieso sind es eigentlich immer nur die Arbeitnehmer, die mit ihren Forderungen ein Unternehmen in den Ruin treiben? Warum sind es eigentlich nie, aber auch absolut nie, falsche unternehmerische Entscheidungen? Warum wird immer nur der Arbeitnehmerseite vorgeworfen, starr und stur zu sein, nie aber der Arbeitgeberseite? Hier findet gerade eine Kraftprobe statt, bei der die Arbeitgeberseite durchaus die gewohnte Schützenhilfe aus Medien und Politik kriegt und man darf gespannt sein, wie sich das noch entwickeln wird. Und jeder, der meint, ein Streik von 24 Stunden bundesweit bei Lufthansa wäre der Untergang des Abendlandes, der hat wohl die Tarifauseinandersetzungen in den 1980ern insbesondere im Druckgewerbe entweder noch nicht erlebt oder schon vergessen: da haben wir wochenlang keine Zeitung gekriegt!

Aber worum geht es denn nun, wenn nicht um Geld?

Es geht hier darum, dass die Lufthansa furchtbar gerne die eigenen Leute zu viel schlechteren Bedingungen zu Billigtochterlinien abschieben und stattdessen vermehrt Leiharbeitnehmer auf der eigenen Linie einsetzen will. Die sind im Ergebnis sogar teurer, als die eigenen Leute (so viel zum Ast, der Säge und total überzogenen Forderungen, die das Unternehmen in die Pleite treiben), aber man kann sie eben auch viel flexibler durch die Gegend schubsen. Am besten kommen diese Leiharbeitnehmer dann auch noch von der eigenen Gesellschaft, die man eigens hierfür gegründet hat. Und am Ende werden immer wieder mal Stellen abgebaut und die gerade erst abgebauten Stewardessen finden sich dann in der Leiharbeitsfirma wieder, um dann auf diesem Wege aber für viel weniger Geld wieder in dem selben A 380 zu fliegen, wie vorher als feste Kraft. das ist der Kernpunkt, um den die Lufthansa seit einem Jahr mehr oder weniger überhaupt nicht verhandeln will. Auch die Schlichtung, die seitens der Lufthansa jetzt so großzügig doch ins Auge gefasst wurde, hatte sofort die Einschränkung, dass da aber bitteschön über nichts anderes geredet wird, als Geld. Zur Erinnerung: 3,6 % hätte wohl jeder mitgemacht, wenn es nur darum gegangen wäre!


Und bevor jetzt die Schlaumeier kommen von wegen "Was wollen denn diese Saftschubsen eigentlich? Die fahren doch bloß mit dem Getränkewagen durch die Gegend und sehen hübsch aus". Wenn das denn die einzige Aufgabe ist, die die haben, frage ich mich, warum denn dann kaum ein Flugzeug abhebt. es wäre doch ein leichtes für die Lufthansa, die nette Begrüßung beim Einsteigen ausnahmsweise durch den Copiloten durchführen und danach den Kapitän eine Durchsage machen zu lassen "Meine sehr verehrten Damen und Herren. Ich heiße Sie willkommen an Bord der LH 3856 von Berlin nach Madrid. Aufgrund des Streiks der Flugbegleiter findet auf diesem Flug leider kein Service statt. Wir danken für Ihr Verständnis". Nein! Die Jungs und Mädels haben ganz andere Aufgaben, als nur den Getränkewagen zu schieben! Die sind für unsere Sicherheit ausgebildet und zuständig! das geht damit los, dass die die richtige Anzahl der Passagiere ermitteln und sehen, dass das Handgepäck ordentlich verstaut ist und endet damit, dass sie uns sicher auf die Notrutsche geleiten, nachdem sie uns vorher ordnungsgemäß in verdammt kurzer Zeit auf die Notlandung vorbereitet haben! Wen die nur dafür zuständig wären, Tomatensaft zu verteilen, dann hätte Ryan Air schon lange einen Getränkeautomaten im Eingangsbereich!