Viele kennen das Phänomen: kaum ist der lang ersehnt Urlaub erreicht und man freut sich auf die Erholung, die jetzt eintreten wird, wird man krank. Dahinter steckt in der Regel keine böse Absicht oder gar Arglist des Arbeitnehmers; vielmehr handelt es hierbei sehr häufig um die Folge von zu viel Stress bei der Arbeit und der fehlenden Möglichkeit oder auch Fähigkeit, zwischendurch einfach mal abzuschalten.

Es ist wohl nachvollziehbar, dass der Körper rebelliert, wenn er von jetzt auf gleich von Daueranspannung auf plötzliche Erholung und Nichtstun umgestellt werden soll. Die Arbeitsmediziner beobachten hier von ungewohnter Müdigkeit und einfachen Kopf- und Gliederschmerzen über grippale Infekte, Migräne und Übelkeit bis hin zur Immunschwäche und sogar Depressionen die unterschiedlichsten Symptome.


In rechtlicher Hinsicht sind bezüglich des Verhaltens des Arbeitnehmers im Urlaub zwei wesentliche Punkte zu beachten:

1. wird der Arbeitnehmer im Urlaub krank, so sollte er sich ganz normal beim Arbeitgeber arbeitsunfähig melden und sich das auch von einem Arzt attestieren lassen – gemäß § 9 BUrlG werden die Tage der Krankheit nicht von den Urlaubstagen abgezogen. Diese Sicht des Gesetzgebers ist auch konsequent, da der Urlaub der Wiederherstellung der Arbeitskraft und der Regeneration dient und dies nicht erfolgen kann, wenn man in Wirklichkeit arbeitsunfähig erkrankt ist. Urlaub hat nicht den Zweck, Krankheiten auszukurieren.

2. Während des Urlaubs darf der Arbeitnehmer keine dem Urlaubszweck widersprechende Erwerbstätigkeit leisten (§ 8 BUrlG). Auch das entspringt dem Erholungszweck im Urlaub. Der Arbeitnehmer soll sich im Urlaub eben erholen und nicht das Portemonnaie durch eine (ohnehin durch den Arbeitgeber genehmigungspflichtige) Nebentätigkeit auffrischen. Selbstverständlich spricht hierbei nichts dagegen, Tätigkeiten im eigenen Garten, an der Ferienhütte oder im Hobbykeller zu verrichten. Auch ist nichts dagegen einzuwenden, wenn man dem Nachbarn mal eben beim Streichen der Wohnung hilft. Von dem Tätigkeitsverbot umfasst ist ausdrücklich lediglich der Erwerbstätigkeit, also diejenige, bei der man sich im Ergebnis wieder in ein anderes Arbeitsverhältnis begibt. Das Streichen der Ferienhütte wirkt sich für viele Menschen dagegen sogar auch als Kontrast zur eigentlichen beruflichen Tätigkeit eher sogar entspannend aus.

Ganz wichtig: auch, wenn es Ihr Arbeitgeber für unerlässlich hält, dass Sie im Urlaub per Händy oder E-Mail erreichbar sind – das bedeutet keinen Urlaub, sondern lediglich eine räumliche Verlagerung des Arbeitsplatzes! Ihr Arbeitgeber darf das nicht von Ihnen verlangen, da ein solches Begehren dem Urlaubszweck zuwider läuft und auch dementsprechend einen Verstoß gegen § 9 BUrlG darstellt. Das Verbot der urlaubswidrigen Erwerbstätigkeit erfasst nämlich insbesondere genau diesen Fall. Wenn Sie sich dennoch dazu breitschlagen lassen und Familie haben, kann ich nur hoffen, dass Ihre Kinder es unheimlich lustig finden, Laptop und Händy am Strand zu vergraben! Gerade im Urlaub gehört Ihre Zeit nicht ihrem Arbeitgeber, sondern Ihnen und der Familie! Gleiches gilt übrigens auch für die ganz reguläre Freizeit nach Feierabend, wenn Sie nicht gerade in eine vertraglich vereinbarte Rufbereitschaft eingeteilt sind. Außerhalb der vertraglich vereinbarten Arbeitszeit verfügt auch das Diensthändy über einen Schalter, an dem man es ausschalten kann!

Wenn Sie einen eigenen Beitrag zur Vermeidung der Urlaubserkrankung leisten wollen, vermeiden Sie ein zu schnelles Umschalten von Daueranspannung auf Freizeit.


Bei vielen Arbeitnehmern sehen der letzte Arbeitstag und der beginnende Urlaub wie folgt aus:

  • 17.00 Uhr Feierabend – im Eiltempo nach Hause
  • 17.25 Uhr Koffer packen, Katze versorgen, Blumengießer in die Blumen und die Katze einweisen, kurzer Streit mit der Ehefrau, Kinder zur Eile antreiben, Katze nochmal streicheln, Fahrzeug verpacken
  • 18.05 Uhr Abfahrt in Richtung Süden
  • 19.25 Uhr schwerer Verkehrsunfall wegen Sekundenschlafs
  • im weiteren Verlauf Krankenhausaufenthalt, Urlaubsende, Strand nie erreicht.

Sicherlich ist das sehr überspitzt dargestellt aber die Situation hat jeder von uns schon erlebt und ist günstigstenfalls total gerädert am Urlaubsort angekommen mit dem Ergebnis, dass man sich die ersten drei Tage des Urlaubs nicht von der Arbeit, sondern von der Anfahrt erholen muss. Die Rückfahrt verläuft dann entsprechend andersrum mit dem Ergebnis, dass man nach seinem Urlaub zurück am Arbeitsplatz das Gefühl hat, sich irgendwie vom Urlaub erholen zu müssen.

Planen Sie doch einfach mal ihren Urlaub so, dass zwischen der Tätigkeit am Arbeitsplatz und Urlaubsbeginn bzw. Ende ein paar Tage Luft liegen. Wenn Sie die Anreise entspannter angehen, indem Sie sich einfach ein paar Tage Zeit für die Vorbereitung nehmen und auch anschließend noch ein paar Tage gönnen, um den Urlaub und vor allem die Rückreise nochmal sacken zu lassen, sich gegebenenfalls die Muße geben, ein paar der frischen und schönen Urlaubserinnerungen ins Gedächtnis zu rufen, könnte sich der Wert des eigentlichen Urlaubs deutlich erhöhen.