Kollege Dr. Bahr berichtet von einem Fall, der in München immerhin bis in die Berufung gegangen ist. Dort wollte eine junge Dame Schmerzensgeld von einem Schnellrestaurant haben, weil ihr der heiße Kaffee aus dem Becher über die Oberschenkel geflossen war und sie Verbrennungen zweiten Grades erlitt. Immerhin hat sie es nicht ganz so amerikanisch getrieben und wollte bloß 1.500,00 EUR haben und nicht direkt 10 Millionen.

Nix da, sagten sowohl das AG München als auch das LG München I vollkommen zu recht. Auf Deinen Kaffee und Deine Oberschenkel kannst Du auch selber aufpassen und dass Kaffee heiß ist, ist hinlänglich bekannt!


Das erinnert mich ein wenig an meine Studienzeiten, als in der Staatsrechtsvorlesung im Zusammenhang mit der Freiheit der Richter in der Rechtsfindung Prof. Dr. Löwer erzählte, einer seiner Lieblingsparagraphen sei früher § 1300 BGB gewesen - nicht wegen seines Inhalts, sondern aus didaktischen Gründen. 

Leider saß ich in der ersten Reihe und murmelte vor mich hin "jo ... Kranzgeld ...", woraus sich folgender Dialog ergab:

Prof: "Laut!"

Ich: "KRANZGELD!"


Prof: "Was stand da drin?"


Ich: "Äh .... ja .... also wenn ein Mann eine Frau geschwängert und sie anschließend nicht geheiratet hat, so konnte diese deswegen Schadenersatz verlangen"


Prof (den Kopf wiegend): "Das war zwar ein bißchen anders formuliert aber im Kern kommt das hin (an den Hörsaal gerichtet) meine Damen und Herren, ein Kenner! (an mich gerichtet) Einschlägige Erfahrungen gemacht?"


Ich: *rotanlauf*


Er wollte natürlich auf irgendein Urteil irgendeines Amtsgerichts aus den 1980ern hinaus, in dem die Klage einer jungen Dame auf Kranzgeld abgewiesen wurde. Die sinngemäße und aus dem juristischen übersetzte Begründung lautete wohl "Mädel, das ist hier eine Universitätsstadt! Da laufen Studenten rum! Und wenn man sich auf einer Uniparty rumtreibt und von haufenweise Jungs angegraben wird und einer davon dann auch mal Erfolg hat und Dich in die Kiste kriegt, kannst Du nicht ernsthaft erwarten, dass der Dich heiraten wollte. Sei froh, dass Du am nächsten Morgen noch einen Kaffee gekriegt hast"


Wie schön, in einem Staat zu leben, in dem Recht ernstgenommen wird und Eigenverantwortung nicht davon abhängt, dass man zum Kaffee eine dicke Betriebsanleitung mit Sicherheitshinweisen überreicht kriegt.

Fazit: der heilige Geist ist sehr verwundert - Maria klagt aus Dreizehnhundert!