Ich bin immer wieder erschrocken, wie sehr die Gesellschaft bereit ist, sich ins Mittelalter zurück zu begeben, wenn es um emotional aufgeladene Themen im Bereich der Justiz dreht ... Folter (und auch die Androhung ist schon Folter!) kann, darf und wird es hoffentlich niemals wieder in Deutschland geben; da kann man auch keine Grenzen ziehen, wann und bei wem Folter doch mal OK sein könnte (eine gesetzliche Abgrenzung würde zu Einzelfallgesetzen führen, die ohnehin verfassungswidrig wären - insoweit hat es da auch über keinen Sinn, mal wieder nach dem Gesetzgeber zu rufen!).

Ich bitte doch mal, hier die einfach mal auseinander zu halten - auf der einen Seite steht ein Kindermord, Erpressung, Menschenraub; sicherlich eine ganz üble Sache und durch nichts zu rechtfertigen - deshalb hockt der ja auch richtigerweise lebenslänglich (und als Knacki mit dem Tatvorwurf wird der sich im Knast bestimmt mittlerweile wünschen, er wäre zum Tod verurteilt worden!) Auf der anderen Seite haben wir die Folterandrohung durch den Staat; die war ebenfalls durch nichts zu rechtfertigen und verstieß gegen die Menschenrechte; der EGMR hat ausdrücklich auch Straftätern einen Ausgleichsanspruch gegen den menschenrechtsverletzenden Staat zugebilligt - ganz nebenbei hat der Mann hier auch kein Schmerzensgeld gekriegt, sondern einen Ausgleich für die Folterandrohung ... sein Klageantrag lautete auf 10.000,00 EUR Schadenersatz PLUS Schmerzensgeld; letzteres hat das Landgericht komplett abgewiesen!

Und ganz nebenbei - Urteile ergehen im Namen des Volkes, nicht im Namen des Volkszorns, des "gesunden" Volksempfindens oder als Ergebnis eines Volkstribunals.


Im Übrigen verweise ich auf die sehr treffenden Blogeinträge hierzu der folgenden Kollegen:

http://nebgen.blogspot.com/2011/08/anleitung-zum-dummsein.html?spref=fb

http://www.lawblog.de/index.php/archives/2011/08/04/keine-menschen-zweiter-klasse-2/