... fallen einem als Zivilist unter den Anwälten weitaus schwerer, als den strafrechtlich tätigen Kollegen - was wohl auch daran liegt, dass bei denen einfach mehr Spinner anrufen. Als Arbeitsrechtler habe ich es meist eher mit Ekligkeiten auf der Arbeitgeberseite zu tun und das betrifft oftmals auch eher deren Prozessbevollmächtigte, als den Gegner selber. Nun - von Zeit zu Zeit werde ich mal ein paar davon einstellen.

Aber mal ehrlich: es gibt Berufe, die tragen den Nimbus des spannenden Alltags in sich, wie z.B. Richter, Staatsanwälte, Strafverteidiger, Polizisten und ÄRZTE!

(bevor hier jetzt die ersten Psychoanalytiker tiefgreifende Minderwertigkeitskomplexe bei mir diagnostizieren: ich liebe meinen Bruf und ich finde den auch spannend - es findet halt eben nicht jeden Tag "Lethal Weapon I - IV" bei mir statt. Blogtechnisch sind diverse Kollegen allerdings besser dran, weil sie fast täglich Kurioses zu berichten haben [sehr lesenswert der Blog des Kollegen Hoenig  und der eines Polizisten.])


Man kennt die Szenen aus Filmen, in denen sich jemand mit den Worten "Lassen Sie mich durch, ich bin Arzt!" durch die gaffende Menge zum Verletzten drängt. Hat jemals jemand einen Film gesehen, bei dem sich jemand mit den Worten "Lassen Sie mich durch, ich bin Anwalt!" durch die Menge drängelt?
(obwohl das in manchen Fällen angezeigt wäre, aber wir dürfen ja nicht aktiv um Einzelmandate werben - und als ich neulich im Godesberger Bahnhof mit einigen anderen gemeinsam erste Hilfe leistete, standen im Hintergrund zwei junge Medizinstudenten, die ihren Beitrag zum Ganzen darauf beschränkten, wichtige Sprüche zu machen, anstatt die Sache zumindest professioneller zu übernehmen, als wir das gemacht haben. Freilich waren die Beiden mit Sicherheit eine sehr unangenehme Ausnahme innerhalb der medizinischen Zunft).
 
Oder wer kennt sie nicht, die Szene im Katastrophenfilm, in der der Pilot seine Chefstewardess fragt, ob ein Arzt an Bord sei. Entweder wirft die Chefstewardess dann einen Blick auf die Passagierliste, um die mitfliegenden Ärzte rauszufiltern (meistens ist es aus dramaturgischen Gründen genau einer, bei dem sich dann im Verlauf rausstellt, dass er auch von dem Fisch gegessen hat ...) oder sie fragt über Bordlautsprecher, ob ein Arzt unter den Passagieren sei und wer nebenbei übrigens von dem Fisch hatte, so wie der Copilot (sehr vertrauenserweckend!). Nach einem Anwalt wird da nie gefragt! Und dabei wäre das bei verdorbenem Fisch an Bord für die meisten Passagiere angesichts des amerikanischen Schadenersatzrechtes, welches bei diesen Filmen Anwendung finden dürfte, viel interessanter!

(Ich bin wirklich schon seit frühester Kindheit ein Fan von Katastrophenfilmen und habe die "Airport" - Reihe auch als DVD-Sammlung zu Hause. Ab und an mal begebe ich mich auch an Bord eines Flugzeuges - sei es, weil ich auch mal Urlaub machen will oder weil ich mal wieder einen Gerichtstermin in Hamburg, Berlin oder München oder sonstwo habe, wo ich nicht mehr mit dem Auto hinfahre. Ich war bislang noch nie [!] in der Lage, dass ich bei der Buchung oder spätestens beim Check In Angaben zu meinem Beruf hätte machen müssen! Ich nehme an, das geht den Ärzten auch nicht wesentlich anders [oder riecht der Computer vielleicht bei der Onlinebuchung, dass es ein Arzt sein könnte und nimmt die obligatorische Frage der Chefstewardess schon mal vorweg?]. Vielleicht liegt es daran, dass ich meist mit sogenannten Billigfliegern fliege - möglicherweise liegt denen die Gesundheit ihrer Passagiere weniger am Herzen, als "Global Air"; aber das kann ich mir nicht vorstellen. Übrigens weiß ich nach Betrachtung der vielen Katastrophenfilme eines sicher: fliege niemals mit "Global" - deren Flugzeuge kommen irgendwie immer in Malessen und ohne Joe Patroni, der jedes Flugzeug in- und auswendig kennt, sähe es immer wirklich schlimm aus! )

Nein, mein Alltag ist wahrhaft weniger spektakulär, aber dennoch mitunter spannend, wie folgender Dialog mit einer Mandantin mosaischen Glaubens nach gewonnenem Prozess zeigt:

Mandantin: "Es ist doch gut, einen jüdischen Anwalt zu haben"

Ich: "Äh ... ich bin kein Jude ... der letzte Jude in meiner direkten Linie war mein Uropa ..."

Mandantin: "Sie sind jüdischer, als Sie glauben!"

Ich: "Äh ... aha ... ok ...."

Ich habe bis heute keine Ahnung, was sie mir damit sagen wollte - ich nehme es aber mal als Kompliment.