Professionalität I:

Telefonat in einer Kündigungsschutzsache mit dem Kollegen der Gegenseite - dieser hatte um Rückruf gebeten.

Ich: "Stühler-Walter, jooden Daach, Sie hatten in der Sache sowieso gegen Irgendwen um Rückruf gebeten ..."

Kollege: "Ja ... ich habe hier gerade die Arbeitsbescheinigung für die Arbeitsagentur für Ihre Mandantin zur Bearbeitung liegen ... also wenn ich den wahren Kündigungsgrund angebe, dann ..."

Ich: "... kriegt sie ne Sperre, ich weiß. Das SGB III ist mir bekannt. Die Rechtsprechung des BAG aber auch, weswegen ich da recht entspannt bin."

Kollege: " ... hm ... und dann ist da ja noch der Strafantrag ..."

Ich: "Das Verfahren ist bereits eingestellt!"

Kollege: "Und? Was machen wir jetzt in der Sache?"

Ich: "Sie hatten mich um Rückruf gebeten - ich war der Meinung, Sie würden mir jetzt ein Angebot machen ..."

Kollege: "Also wenn Sie meinen, Ihre Mandantin würde ihre Verfehlung jetzt auch noch mit einer satten Abfindung vergoldet kriegen, tun Sie ihr aber keinen Gefallen. Wir hatten ja schon ein goldenes Angebot mit dem Aufhebungsvertrag gemacht. Das können Sie vergessen!"

Ich: "Ja gut, dann sehen wir uns eben nächste Woche im Gericht. Ich bin da ganz entspannt; schließlich sind wir ja beide Profis."

Kollege: "Ob Sie einer sind, weiß ich noch nicht!" Klick und legt auf!

Ich bin selten sprachlos - da war ich es ....


Professionalität II:

Telefonat mit einem Arbeitgeber, der mich auf eine Klageerhebung hin angerufen hatte. Nachdem er mir den üblichen Arbeitgeberspruch "Der hat das so unterschrieben, da hat er eben Pech gehabt" um die Ohren gehauen hatte und ich ihm gerade geduldig erläutern wollte, dass das keinesfalls immer zu einer wirksamen Erklärung führt und deswegen ebenfalls nicht unbedingt das Pech des Arbeitnehmers ist, fiel er mir mitten in meine Ausführungen ins Wort, ich solle ihn gefälligst ausreden lassen. Normalerweise bin ich da wenig empfindsam aber es war Montag Morgen und der Kerl war einfach unerträglich. Also wurde ich etwas lauter und wollte ihm klar machen, dass ich nunmehr dran sei und er mir gefälligst zuzuhören habe. Er legt auf und rief 2 Minuten später an, um mir mitzuteilen, er werde mit mir nicht mehr reden und dass es nunmehr nur noch über seinen Anwalt ginge - ein guter Gedanke soweit. Übrigens ist mir sowas weder vorher noch nachher jemals passiert.


In der Gerichtsverhandlung ging es dann um die obligatorische Frage nach einer gütlichen Einigung, aus welcher sich das folgende Gespräch ergab:

Kollege: "Ja nun - nein, mein Mandant will sich hier nicht vergleichen; es gab da so einen Vorfall mit dem Herrn Kollegen am Telefon .."
(nicht schlimm - ich wollte mich in der Sache ohnehin nicht vergleichen und habe im Ergebnis auch ein vollumfänglich obsiegendes Urteil gekriegt!)

Richter (guckt mich fragend an): "Herr Stühler-Walter, was ...?"

Kollege: "Der Herr Kollege hat gegenüber meinem Mandanten am Telefon die Stimme erhoben."

Ich: "Herr Vorsitzender, lassen Sie sich da bitte nichts erzählen. Ich habe nicht die Stimme erhoben - ich habe den Mann handfest angeschrien! Das ist zugegebenermaßen nicht besonders professionell und auch üblicherweise gar nicht meine Art. Aber in diesem Fall haben wir uns in Sachen schlechtes Benehmen rein gar nichts getan und ich entschuldige mich hier für gar nichts!"

Richter (unterdrückt einen Lachkrampf).