Im letzten Jahr hatte ich eine Mandantin zu vertreten, welche nach über 20 Jahren Tätigkeit als Pflegeschwester für eine Caritative Vereinigung fristlos gekündigt wurde, weil sie am Arbeitsplatz eine Scheibe Leberkäse entwendet hatte, welche zur Entsorgung im Schweineeimer vorgesehen war. Außerdem hatte sie wohl noch 2 Flaschen Wasser mitgehen lassen.

Zweifellos handelt es sich hierbei um einen Diebstahl und obliegt es auch dem Arbeitgeber als Eigentümer, was er mit seinem Leberkäse anstellen will. Mitnehmen jedenfalls durfte meine Mandantin weder den Leberkäse, noch die Wasserflaschen. In strafrechtlicher Hinsicht kriegt man das relativ schnell gelöst, ohne hierbei über vertiefte juristische Kenntnisse zu verfügen. Fraglich war allerdings, ob dieser Vorfall auch eine fristlose Kündigung nach über 20 Jahren Tätigkeit ohne jegliche Beanstandung rechtfertigen würde. Das dazugehörige Strafverfahren wurde nach einem kurzen Schreiben meinerseits ganz schnell wegen Geringfügigkeit eingestellt, wodurch die strafrechtliche Seite für meine Mandantin sodann auch erledigt war. Arbeitsrechtlich rechtfertigt ein derartiger Vorfall im Vergleich zu der langen vorherigen Arbeitszeit, welche ohne jegliche Beanstandung verlaufen ist, eine fristlose Kündigung nicht. Es kann auch nicht angehen, dass die strafrechtliche Sanktion von der Gesellschaft dahingehend gewürdigt wird, dass ein solcher Vorfall wegen Geringfügigkeit eingestellt wird, arbeitsrechtlich allerdings die schlimmste Sanktion drohen darf, welche denkbar ist: Der Verlust des Arbeitsplatzes und damit auch der Existenz!

Zu beachten ist hier ebenfalls, dass meine Mandantin sich zu der Zeit in einer wirtschaftlich angespannten Lage befand und deswegen schlicht schwach geworden ist. In Wirklichkeit handelte sich hierbei um eine grundehrliche Frau, für die es bereits schlimm genug war, sich selber einzugestehen, einen Diebstahl begangen zu haben. Ich wette, die Dame ist vorher in Ihrem Leben noch nicht bei rot über die Straße gegangen.
Das arbeitsgerichtliche Verfahren endete naturgemäß in einem Vergleich, auf den ich noch nicht einmal besonders stolz bin, der allerdings in Hinblick auf die psychische Situation meiner Mandantin dennoch das Beste war, was herauszuholen war.

Die ganze Sache hat sogar Einzug in die örtliche Presse gefunden.

Meine Wut über diese Sache bin ich allerdings bis heute nicht ganz los geworden. Es ist einfach unerträglich, wenn so mit Menschen umgegangen wird. Das gilt noch einmal mehr, wenn der Arbeitgeber auch noch eine Caritative Vereinigung ist!