24.05.2011

Was tun bei Krankheit?

Sorry - aber nach dem Beitrag zur NPD gestern lag einer zu Krankheit eigentlich nahe.

Was also ist als Arbeitnehmer zu tun bei Erkrankung? Blöde Frage eigentlich; wer krank ist, braucht keinen Anwalt, sondern einen Arzt ... oder zumindest eine heiße Zitrone und Ruhe oder eines der vielen anderen Hausmittelchen von Mutti.

Aber mal im Ernst - wer krank wird, sollte auch daran denken, dass nicht nur der Chef, sondern auch die Kollegen einen eigentlich pünktlich bei der Arbeit erwarten und von der Erkrankung nichts riechen können.
Das hat auch der Gesetzgeber im Blick und deswegen als allererstes vorgesehen, dass der Arbeitnehmer dem Arbeitgeber auch Bescheid gibt, wenn er wegen Erkrankung nicht zur Arbeit erscheinen wird. Eigentlich ist das ein unspektakulärer Vorgang und sollte wohl eine Selbstverständlichkeit sein - man ist allerdings immer wieder erstaunt, wie oft die Nichteinhaltung dieser Selbstverständlichkeit oder auch eine reihe von Missverständnissen hinsichtlich der richtigen Handhabung der Krankmeldung zur Abmahnung oder gar Kündigung führt!


Dabei hat § 5 Abs.1 des Entgeltfortzahlungsgesetzes (EntgfortzG) die Meldepflicht bei Erkrankung eigentlich klar geregelt. Dieser lautet auszugsweise
Der Arbeitnehmer ist verpflichtet, dem Arbeitgeber die Arbeitsunfähigkeit und deren voraussichtliche Dauer unverzüglich mitzuteilen. Dauert die Arbeitsunfähigkeit länger als drei Kalendertage, hat der Arbeitnehmer eine ärztliche Bescheinigung über das Bestehen der Arbeitsunfähigkeit sowie deren voraussichtliche Dauer spätestens an dem darauffolgenden Arbeitstag vorzulegen. Der Arbeitgeber ist berechtigt, die Vorlage der ärztlichen Bescheinigung früher zu verlangen. Dauert die Arbeitsunfähigkeit länger als in der Bescheinigung angegeben, ist der Arbeitnehmer verpflichtet, eine neue ärztliche Bescheinigung vorzulegen.


Der Arbeitnehmer hat also unverzüglich gegenüber seinem Arbeitgeber anzuzeigen, dass er erstens überhaupt krank ist und deswegen nicht zur Arbeit kommen kann und zweitens, wie lange das wohl dauern wird. Nach drei Tagen spätestes ist der berühmte gelbe Schein vorzulegen.

Jetzt gibt es allerdings eine Reihe von Arbeitnehmern, die morgens erstmal zum Arzt marschieren (was ja prinzipiell nicht unvernünftig ist), um dann nach Rückkehr vielleicht mal im Betrieb anzurufen und auf die Mitteilung, heute nicht kommen zu werden, die naheliegende Antwort "ach was! Das haben wir auch schon bemerkt!" zu kriegen. Vielleicht haben die das dann auch noch geschafft, sich irgendwann zwischen Arzt und Apotheke noch zum Briefkasten zu quälen, um den gelben Schein auf den Weg zu bringen ... über arbeitsrechtliche Konsequenzen darf man sich dann allerdings nicht wundern!
Was hat unser Arbeitnehmer falsch gemacht? Ganz einfach - er hat weder unverzüglich Mitteilung über die Erkrankung gemacht noch hat er Angaben darüber gemacht, wie lange dieser Zustand voraussichtlich andauern wird!

Der Gesetzgeber hat in der Tat folgende zugegebenermaßen etwas überspitzte Situation vor Augen:
Unser Arbeitnehmer wacht mitten in der Nacht auf und wird von Magenkrämpfen und Übelkeit gepeinigt. Nun macht er sich sofort messerscharf die Gedanken "OK, ich habe Magenkrämpfe und mir ist übel. Da ich nichts unverträgliches gegessen habe, wird es wohl ein Infekt sein, der wohl auch eher mindestens drei Tage andauern wird." Der Arbeitnehmer quält sich aus dem Bett, ruft seinen Chef zu Hause an, um ihm diese Eigendiagnose zu unterbreiten und begibt sich mit einer Wärmflasche wieder ins Bett, wenn es ihn nicht gerade auf die Toilette treibt. Der Chef ist den Rest des Tages nicht zu ertragen, weil er mitten in der Nacht aus dem Bett geklingelt wurde.

Natürlich ist das lebensfremd aber genau so denkt sich das der Gesetzgeber. Nun ja ... Gesetze gehen schon mal an der Lebenswirklichkeit vorbei ...

Natürlich reicht es aus, morgens nach dem Aufstehen zur frühestmöglichen Zeit - also wenn die zuständige Person im Betrieb auch erreichbar ist - kurz im Betrieb anzurufen und Mitteilung zu machen. Hierfür kann man sich selbstverständlich auch Boten bedienen. Ist man selber wegen der Magenkrämpfe nicht in der Lage, anrufen zu können, so kann man natürlich auch seine Frau anrufen lassen und die kann es auch dem Kollegen mit der Bitte um Weiterleitung an die zuständige Person sagen (hierbei ist allerdings Vorsicht geboten, weil man nie weiß, ob der Kollege das auch wirklich rechtzeitig weitergibt! Besser also den Chef selber verlangen!).

Wer aber ist die "zuständige Person"? Eigentlich ja der Arbeitgeber. Nun wird Herr Ackermann sich als Organvertreter der Deutschen Bank AG allerdings bedanken, wenn sämtliche erkrankten Mitarbeiter des Unternehmens ihn morgens anrufen, um sich krank zu melden! Im Zweifel sollte man sich an den Betriebsleiter, den Prokuristen oder den direkten Vorgesetzten halten. Wenn man es gar nicht weiß, sollte man bei Zeiten einfach mal nachfragen, wer im Betrieb für die ordnungsgemäße Entgegennahme der Krankmeldung zuständig ist.

Und was ist jetzt, wenn man sich wieder arbeitsfähig fühlt, aber auf dem gelben Schein noch ein paar Tage übrig sind? So banal das klingt: gehen Sie wieder arbeiten! Wenn Sie arbeitsfähig sind, dann sind Sie auch zur Arbeit verpflichtet! Man wird nicht krank geschrieben! Krank ist man von selber, da braucht man keinen gelben Zettel für! Der gelbe Schein besagt nichts anderes, als dass man infolge Krankheit nicht arbeitsfähig ist und wie lange das voraussichtlich dauern wird. Man braucht dann auch keine Gesundschreibung oder ähnliches. Der Arzt kann heilen aber nicht gesundschreiben. Wäre er dazu fähig, wäre er ein Wunderheiler. Entgegen landläufiger Meinung verliert man auch nicht seinen Versicherungsschutz, wenn man trotz prognostizierter aber eben nicht mehr vorhandener Arbeitsunfähigkeit wieder arbeiten geht. Ganz im Gegenteil: man verhält sich schlicht vertragskonform. Allerdings kann es vorkommen, dass das subjektive Empfinden von der objektiven Erkrankung abweicht und es gar nicht mal vernünftig ist, wieder arbeiten zu gehen - hier gilt: hören Sie nicht auf den Juristen, sondern auf den Arzt; schon der eigenen Gesundheit zu Liebe.

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