Im Dezember ist wieder Zeit der betrieblichen Weihnachtsfeiern. Die Lust an der Teilnahme ist unter den Mitarbeitern regelmäßig unterschiedlich ausgeprägt - meist geht man allerdings hin, wenn man nicht gerade Pest oder Cholera als griffige Ausrede für das Nichterscheinen vorbringen kann.
Gleich zu Beginn der Veranstaltung gilt es, am Tisch einen strategisch günstigen Platz zu ergattern. Man weiß ja nicht, wie lange man da sitzen muss, bis alle gegessen haben, der Chef seine mal mehr mal weniger interessante bzw. unterhaltsame Rede gehalten hat (bei der man natürlich trotzdem lacht, wenn es die anderen auch so halten). Jedenfalls erträgt sich diese Zeit mit der hübschen Kollegin aus der Personalbuchhaltung neben sich weitaus besser, als wenn der Tischnachbar der Langweiler aus dem Vertrieb ist.
Aber eine Weihnachtsfeier kann noch ganz andere Unbürden bedeuten, als nur sich aufgrund schlechten Tanzstils oder übermäßigen Bierkonsums am späteren Abend zum Dauergesprächsthema auf den Fluren zu machen.

So sollte man auch bei einer Weihnachtsfeier bedenken, dass es sich hierbei um eine betriebliche Veranstaltung handelt, bei der man sich nicht wesentlich anders zu verhalten hat, als bei der täglichen Arbeit. So kann es durchaus einen Grund zur Kündigung darstellen, wenn man seinen Kollegen auf der Weihnachtsfeier als "Pfeife" oder "Arschloch" bezeichnet und damit den Betriebsfrieden stört (so zumindest das LAG Baden-Württemberg 12.03.2003 - AZ: 4 Sa 45/02). Wird man gegenüber der bereits erwähnten Kollegin aus der Personalbuchhaltung später am Abend allzu aufdringlich, so kann das natürlich eine sexuelle Belästigung darstellen mit ebenfalls der Folge der Kündigung! Das LAG Berlin-Brandenburg hatte sich mal mit einer Kündigung auseinanderzusetzen, in welcher der Kläger mehrfach dem BR-Vorsitzenden gedroht hatte, ihn fertigzumachen und diesen auch in anderen Abteilungen entsprechend verleumdet hatte. So habe der BR-Vorsitzende u.a. 300,00 EUR nicht an die Geschäftsleitung weitergeleitet, die der Kläger diesem anlässlich einer Weihnachtsfeier übergeben habe. Das LAG erachtete die Kündigung für wirksam - natürlich nicht nur wegen der Geschichte mit der Weihnachtsfeier (LAG Berlin Brandenburg 05.01.2005 - AZ: 17 Sa 1308/04). Es kann auch den Tatbestand des Mobbing erfüllen, wenn ein Mitarbeiter immer wieder von gemeinsamen geselligen Veranstaltungen, wie einer Weihnachtsfeier, ausgeschlossen wird (LAG Baden-Württemberg - 27.07.2001 - AZ: 5 Sa 72/01).

Zu guter Letzt sollte man zusehen, dass man sich - wenn überhaupt - aufgrund eines Unfalls verletzt, solange die Weihnachtsfeier offiziell noch läuft. Ist die Veranstaltung bereits beendet und man bleibt noch etwas länger, so besteht kein Versicherungsschutz bei der gesetzlichen Unfallversicherung mehr (LSG Hessen - 26.02.2008 - AZ: L 3 U 71/06). Beendet dürfte die Weihnachtsfeier spätestens dann sein, wenn der Chef geht.

Also wünsche ich eine fröhliche Adventszeit - und stolpern Sie nicht.