23.10.2017

Die Dame scheint irgendwie nachtragend zu sein ...

Als Anwalt muss man ja auch generell irgendwie seine Brötchen verdienen, weswegen unsereins neben seinem eigentlich Spezialgebiet nicht selten auch noch die sogenannten Brot-und-Butter-Mandate betreibt. Das sind solche Mandate, die in einer gewissen Regelmäßigkeit aufkommen, nicht übermäßig viel Arbeit machen aber eben Geld einbringen - meistens im Einzelfall gar nicht mal so viel aber da macht es eben einfach die Masse.

In meinem Fall verhält es sich so, dass eine alte Schulfreundin von mir mit einem Kollegen zusammen eine Zahnarztpraxis betreibt, bei der ganz gerne mal Rechnungen über Privatanteile nicht bezahlt werden. Und da betreibe ich dann eben das Inkasso. Das ist für sich genommen nicht sonderlich spektakulär, sorgt aber eben für regelmäßige Einnahmen. Und außerdem ist es ja auch eine alte Schulfreundin.

Bei solchen Inkassosachen ist es jetzt eine Geschmacksfrage, ob man erst ein Inkassoschreiben rausjagt (ein sogenannter "Binnenbrief" - das kommt von "Zahlen Sie binnen ...., sonst ....") oder direkt einen Mahnbescheid beantragt. Das macht man auch ganz gerne im Einzelfall ein wenig vom Gefühl abhängig.

Beim Ablauf gibt es da jetzt verschiedene Varianten, wie das gehen kann:

Binnenbrief/Mahnbescheid - Gegner zahlt; alles gut
Binnenbrief/Mahnbescheid - Gegner zahlt nicht - Verfahren wird fortgeführt - Gegner zahlt immer  noch nicht - Zwangsvollstreckung; falls erfolgreich, alles gut
Binnenbrief/Mahnbescheid - Gegner möchte gerne in Raten zahlen - Raten werden gezahlt; alles gut

In der nachfolgenden Kommunikation mit der Gegnerin geht es um die dritte Variante. Da hatte die gute Frau angefragt, in Raten zahlen zu wollen. Die wurden dann entsprechend ermittelt, womit eigentlich die Sache ebenfalls gut sein sollte. Das Problem war allerdings, dass ich im Mahnbescheid eine nicht mehr existente Kontoverbindung angegeben hatte. Das habe ich mitbekommen, weil ein anderer Schuldner mich anrief, er habe zahlen wollen, was aber nicht ging, weil es das Konto nicht mehr gibt. Daraufhin habe ich bei meiner Mandantin nach der gerade gültigen Kontoverbindung angefragt und diese dann allen anderen Schuldnern ebenfalls schnell schriftlich mitgeteilt. Natürlich wäre das vermeidbar gewesen, wenn ich vorher schon nach der aktuellen Kontoverbindung nachgefragt hätte. So hatte ich einfach eine der drei in den Rechnungen benannten genommen, ohne nachzufragen. Das war selbstverständlich mein Fehler, wie er aber bei einem neuen Mandatsverhältnis schon einmal vorkommen kann.

Die Dame auf der anderen Seite rief mich also nach Erhalt meines Schreibens mit der nunmehr korrekten Kontoverbindung ganz aufgeregt an, sie habe das bereits an die andere Kontoverbindung angewiesen und die Bank sage, das könne sie nicht zurückbuchen und im Übrigen sei das ja auch nicht ihre Schuld mit der falschen Kontonummer. In der Beziehung habe ich ich ihr auch Recht gegeben und mitgeteilt, dass das Geld ja demnächst automatisch auf ihr Konto zurückgebucht werden dürfte und sie es dann zahlen solle. Die Zinsen würden dann selbstverständlich so berechnet, als hätte sie schon beim ersten Mal erfolgreich gezahlt. Bis hierher also auch eigentlich nicht sonderlich spektakulär.

Auf das Telefonat hin bekam ich direkt im Anschluss noch die folgende E-Mail von ihr.

"Sehr geehrter Herr Stühler-Walter,

Ich beziehe mich auf o.a. Vorgang und in diesem Zusammenhang auf die von Ihnen im Mahnbescheid vom 13.09.2017 unter der GS.Nr.: 17-4541816-0-8 geführten und von Ihnen dort angegebenen IBAN Nummer zur Zahlungsabwicklung! Ich habe wie im Vorfeld vereinbart an diese im Mahnbescheid ausgewiesene IBAN Nummer mit Datum 29.09.2017 um 08:03 Uhr unter Angabe des Aktenzeichens und der Geschäftsnummer aus dem Mahnbescheid den vereinbarten Ratenbetrag i.H.v. 61,19 € anweisend getätigt! Sie begehren mit heutigem Datum eingehend eine IBAN Korrektur, da die im Mahnbescheid angegebene IBAN von Ihnen fälschlich angegeben wurde (s. Telefonat von Heute)!  

Da ich Ordnungsgemäß gehandelt habe, lasse ich mir die aus dieser Konsequenz resultierenden Schwierigkeiten noch in diesem Vorgang evtl. weitere Forderungen in Rechnung stellen. Ich werde mich ansonsten an den mit Ihnen vereinbarten Ratenplan mit Einsetzung der korrekten mir Heute eingehenden IBAN ausführen. Sollte sich aus dem bis dato geschilderten Vorgang für mich Probleme und/oder unberechtigte Forderungen ergeben scheue ich mich nicht meinen Anwalt hiermit zu beauftragen!

Mit freundlichen Grüßen"

Nun gut. Geschwurbelt zu formulieren weiß sie wohl. Ich muss sagen, dass "anweisend getätig" mich schon beeindruckt. Die Drohung mit dem Anwalt beeindruckt mich jetzt zwar weniger aber sei es drum. Schon hier habe ich mich dann mal gefragt, ob ich es nicht geschafft hatte, ihr hinreichend deutlich zu machen, dass ich ihr gar nichts böses will.

Letzte Woche habe ich mir gedacht, ich höre mal nach, ob die Rückbuchung zwischenzeitlich erfolgt sein könnte und lasse mir dann einfach mal beide Überweisungsbestätigigungen zukommen, um die Zahlung dann fiktiv auf das Ursprungsdatum der ersten erfolglosen Zahlung zu verbuchen. Zugegeben: ich möchte auch wissen, ob sie wirklich bezahlt hatte oder nur die Gelegenheit meines Schreibens genutzt hat, sich da aus der Verpflichtung zu ziehen. Also schrieb ich ihr eine E-Mail:



"Sehr geehrte Frau (...),

zu der im Betreffe benannten Sache müsste der fälschlich angewiesene Betrag in Höhe von 61,16 EUR zwischenzeitlich wieder Ihrem Konto gutgeschrieben worden sein, da das seinerzeit angegebene Empfängerkonto nicht (mehr) existiert. Insoweit kann auch keine Buchung nach dort erfolgt sein. Sollte dies wider Erwarten dennoch der Fall sein, bestünde noch die Möglichkeit eines Fehlers bei der Sparkasse, welche grundsätzlich vor der Anweisung auch die Existenz und Übereinstimmung der angegebenen Daten hinsichtlich des Empfängerkontos überprüfen muss. Im Fall einer Onlineüberweisung erfolgt eine entsprechende Rückmeldung regelmäßig sofort.

Zur Vervollständigung meiner Unterlagen möchte ich Sie höflich bitten, mir die Bestätigung der ersten Überweisung vom 29.09.2017 um 08:03 Uhr sowie die Bestätigung der nunmehr gegebenenfalls erfolgten zweiten Überweisung nach Rückbuchung zukommen zu lassen.


Mit freundlichen Grüßen

Rechtsanwalt
Philip Stühler-Walter"

Die Antwort ließ nicht lange auf sich warten:



" Sehr geehrter Herr Stühler-Walter,

der von Ihnen hier geschilderte Sachverhalt im Ablauf ist nicht korrekt da die mir vorliegenden Angaben und Nachweise eine andere Transparenz aufzeigen! Da ich diesen Vorgang betreffende Schriftsätze und Nachweise abgeheftet habe, werde ich diese Ihnen entsprechend Ordnend in den kommenden Tagen als Kopien über den Postweg zukommen lassen!
Wie bereits vorab erwähnt lasse ich mir durch Ihre fehlerhaften Angaben (s. IBAN Nummer) im Beantragten Mahnbescheid von Ihnen; wodurch eigentlich der Mahnbescheid teilweise hinfällig gewesen ist; nicht durch zusätzliche Kosten, Gebühren und/oder Zinssätze in Rechnung stellen.

Mit freundlichen Grüßen"

"Andere Transparenz". Wow! Ich will ihr aber immer noch nichts böses ... das wollte ich dann auch mit meiner Antwort klarstellen. Gut, ein paar Richtigstellungen mussten auch sein:


"Sehr geehrte Frau (...),

den zwischen uns geführten Schriftverkehr brauche ich nicht. Der ist mir ebenso bekannt, wie der nicht nur beantragte, sondern zwischenzeitlich auch rechtskräftig erlassene Mahnbescheid. Ich hatte höflich nach dem Überweisungsbeleg bzw. den Überweisungsbelegen gefragt. Im Übrigen gehen Sie fehl in der Annahme, durch Angabe einer unzutreffenden Kontoverbindung würde der Mahnbescheid (teilweise) hinfällig. Dies ist nicht der Fall. 
Weiterhin hat hier auch niemand vor, Ihnen zum derzeitigen Zeitpunkt weitere Kosten oder Zinsen auferlegen zu wollen. Dies könnte sich allerdings möglicherweise anders verhalten, wenn es bei der Verweigerung Ihrerseits verbleibt. Sie hatten vorgetragen, die erste Überweisung an das im Mahnbescheid angegebene Konto nachweisen zu können. Dann kann es doch nicht allzu viel verlangt sein, dies auch zu tun. Hier geht es darum, eine sodann erfolgte zweite Zahlung nach Rückbuchung auf ihr Konto zinstechnisch so zu behandeln, als wäre der Betrag mit der ersten Zahlung gezahlt worden. Dafür brauche ich aber die entsprechenden Unterlagen. 

Mit freundlichen Grüßen

Rechtsanwalt
Philip Stühler-Walter"    

Ich glaube, das hatte sie nicht nur nicht verstanden, sondern natürlich auch nicht auf sich sitzen lassen. So eine Frechheit von mir. Nicht zu fassen. Die Antwort kam stehenden Fußes:


"Sehr geehrter Herr Stühler-Walter,



ich brauche den mit Ihnen geführten Schriftverkehr ebenfalls nicht da ich mir nicht gerne Ihre Fehler zu Lasten legen lasse! Hätte ich mit Erhalt des Mahnbescheides gewusst dass die IBAN fälschlich  zzgl. der angegebenen Mahnungen die ich bis dato nicht erhalten habe Bestandteil sind, hätte ich hier Rechtzeitig einen Widerspruch hierzu einreichen können was auf Grundlage des Nachzuweisenden Ablaufs nicht möglich gewesen ist! Hier geht es mir wie bereits nachweislich Dokumentiert nicht darum die geschuldete Summe nicht anzuerkennen! Und wie bereits ebenfalls Ihnen mitgeteilt werden Sie die von Ihnen geforderten Nachweise über den Postweg erhalten! Für weitere Diskrepanzen mit Ihnen kann ich auch gerne meinen Anwalt behelligen und die Angelegenheit hierüber abwickeln lassen.



Im übrigen sind Sie ein Anwalt den ich niemanden empfehlen kann.

Mit freundlichen Grüßen"
 
Nun ja. Würde sie den bereits mehrfach angedrohten Anwalt mal fragen, würde sie merken, dass sie dem Mahnbescheid streng genommen immer noch widersprechen kann. Das würde dann als Einspruch gegen einen nicht vorhandenen Vollstreckungsbescheid gewertet werden aber es geht. Was sie materiell-rechtlich vortragen will, nachdem sie hier ja noch einmal bekräftigt hat, die eigentliche Forderung anzuerkennen, weiß ich nicht. Aber sie könnte es. Ja. Und nein, ich will ihr die Kosten meines Fehlers immer noch nicht aufs Auge drücken. Warum auch? Der letzte Satz schmerzt mich übrigens schon.


Dennoch hat sie noch einen draufgesetzt:

"Sehr geehrter Herr Stühler-Walter,



nachtragend zu meiner vorherigen Antwort:



Ich hatte bereits die Summe der ärztlichen Behandlung anerkannt! Ich möchte Sie bitten mir den Nachweis der fehlerhaften Rücküberweisung mit Überweisung vom 29.09.2017 von der im Mahnbescheid ausgeführten IBAN zukommen zu lassen.

Ich erbitte hierzu den Nachweis in Kopie und/oder als PDF Datei per Mail bis Dienstag, den 24.10.2017!



Mit freundlichen Grüßen" 

"Nachtragend zu meiner vorherigen Antwort". Das gefällt mir. 
Aber was mache ich jetzt nur? Sie hat mir eine Frist für etwas auferlegt, das technisch nicht möglich ist. Heute ist der 23.10.2017 und morgen läuft die Frist ab. Und auch auch mit Ausrufezeichen. Sollte ich schonmal einen Kollegen konsultieren? So ein Fristablauf bringt doch stets und ständig Ärger mit sich.
Ich frage mich wirklich, ob sie mich nicht verstehen kann oder nicht verstehen will. Vielleicht liegt es ja aber auch wirklich an mir, dass ich mich nicht verständlich genug ausgedrückt habe. Kann ja sein. Klar.

Ich bin gespannt, wie es weitergeht.